Die Rügencard

Eine Karte für alles. Da wollte Rügen hin. Doch die Rügencard gibt es vorläufig nicht. Technische Probleme werden als Grund angeführt.
Der Verkauf der Stralsund-Rügencard wurde vorläufig eingestellt. Das teilte die Betreibergesellschaft ODIN (Ostsee Dienstleitungs- und Innovations-gesellschaft) vergangene Woche ihren Vertragspartnern per Post mit. Ein dicker, roter Balken prangt zudem auf der Internetpräsenz. „Die sind pleite“, war die erste Reaktion auf das Anschreiben bei einigen Hoteliers und Touristikern. „Und das mit unserem Geld.“ Denn die ursprünglich 1999 von der Sparkasse Rügen gegründete, später von der Tourismus-Zentrale Rügen (TZR) erworbene Karte ist von den Geldern der Mitglieder bezahlt worden und sollte dafür auch als Profit-Center fungieren.
„Die Karte ist natürlich nicht pleite“, betont der neue TZR-Geschäftsführer Ralf Hots-Thomas. „Es ist eher so, dass ich entschieden habe, die Karte wegen immenser technischer Probleme erst einmal aus dem Verkehr zu ziehen. Das erfordern meine Kontrollaufgaben als Geschäftsführer.“ Nach interner Abstimmung natürlich, legt er nach. „Das konnte so nicht mehr am Markt bleiben. Das System ist einfach veraltet und ursprünglich sollte es mit dem parallel schon in Arbeit befindlichen neuen System Zug um Zug ersetzt werden.“ Auf die Frage nach Dauer und Kosten räumt Hots-Thomas rund 10 000 Euro Verluste und eine Stillegung bis zum Jahresende ein. „Die neue Karte soll spätestens bis Januar 2008 wieder am Markt sein. Alle bisher erworbenen alten Karten behalten natürlich für die Nutzer ihre volle Gültigkeit. Von der Vision, dass die Rügencard ein Profit-Center sein könnte, müssen wir uns allerdings verabschieden“, stellt sich Hots-Thomas in den Gegensatz zur Ansicht seines Vorgängers Raymond Kiesbye. „Sie ist ein tolles Marketinginstrument und soll künftig als solches neu und erfolgreich gestaltet werden. Dafür werden nochmals zwischen 40 000 bis 60 000 Euro investiert“, sagt der TZR-Geschäftsführer.
Die Rügencard fungiert als Rabattsystem, das dem Erwerber Vergünstigungen von Museen bis zum RPNV einräumt. „Bei uns hat das Lesegerät gut funktioniert, wenngleich wir uns eine Zeiterfassung der Besucher wünschen würden. Bei einem so kleinen Eintritt ist allerdings auch der Rücklauf verschwindend. Ich jedenfalls finde das System im Großen und Ganzen gut“, sagt der Gingster Museumsleiter Olaf Müsebeck als einer vieler Nutzer. Kritiker wie die Sassnitzer Reederin Slavka Petan allerdings bemängeln an der Karte schon lange, dass mehr mit Rabatten anstatt mit Qualität agiert werde.
Heiko Gerdts, Vorstandsmitglied der Sparkasse Rügen kennt zwar die Hintergründe der technischen Probleme nicht, bedauert aber, dass sich die Idee des Kreditinstitutes nicht durchsetzt. „Ich sehe die Leistungsmöglichkeiten der Karte vor allem beim Rügener Personen Nahverkehr (RPNV). Allerdings sind meines Erachtens die Vorteile der Karte nie richtig vermittelt worden. Die Idee halten wir weiter für gut.“
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